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Hintergründe

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Der Studierende am Übergang von der Ausbildung in die „freie Wildbahn“
Eine Bestandsaufnahme.

(Eine gekürzte Version dieses Artikels erschien im Oktober 2011 bei Kulturmanagement.net zum Thema "Künstler als Manager". >> Heft als pdf)

Früher war es für den Künstler so leicht: Von allen bewundert stand er auf seinem Musensockel – von seinen Verehrern umrahmt. Die Zeiten haben sich geändert. Wider vieler Versprechungen und Träume findet eine Großzahl der Absolventen nicht den Weg in die Solokarriere oder ins Orchester. Es weht ein kalter Wind: Spätestens nach dem Abschluß an der Hochschule tritt eklatant zutage, welch große Wissenslücken viele Studierende haben. Denn der Künstler selbst muß sich ins praktische Getümmel stürzen, eigeninitiativ sein in Selbstvermarktung, Selbstmanagement.

Ich hätte mir ab einem bestimmten Zeitpunkt im Studium gewünscht, mehr über Struktur und Organisation meines Arbeitens nach der Hochschulzeit zu erfahren. Ich selbst und viele meiner Kollegen sind inzwischen freiberuflich tätig. Das war abzusehen. Auf diese Situation wurde man bisher im Rahmen meines Studienganges nur unzureichend vorbereitet – da sehe ich persönlich ein großes Potential für sicherlich viele deutsche Kunsthochschulen.“ (ein Klarinettist)

Die Qualität der Ausbildung ist eher mittelmäßig. Es gibt insgesamt ein sehr großes Angebot, das jedoch sehr stark von der einzelnen unterrichtenden Person abhängt. Darauf, dass ein Musiker ein stark mit seiner innersten Persönlichkeit verbundenen Beruf ausübt und welche Auswirkungen das Mißlingen des Studiums für den Menschen haben kann, ist zu wenig eingegangen worden.“ (eine Sängerin)

Hauen und Stechen

Angebote, in Meisterkursen und Workshops Schnupperkurse in Existenzgründung oder Selbstmanagement anzubieten, scheitern jedoch oft an der Uneinsichtigkeit der Dozenten: Man will weder von seinem Honorar etwas abgeben noch die Kursgebühr erhöhen! Anders gesagt, es geht in diesem Fall eigentlich darum, selbst etwas zu verdienen, nicht darum, Studierende zu einem berufsfähigen Musiker auszubilden.

An meiner Hochschule ist das künstlerische Niveau in meinem Fachbereich sehr gut vertreten gewesen. Die Lehrer waren gut mit der Geigenliteratur vertraut, jedoch gibt es innerhalb des Kollegiums einige nicht sehr angenehme Spannungen, die in den Prüfungen ausgetragen werden.“ (eine Geigerin)

Dazu kommt, dass so manche Dozenten ihr Lehrprogramm an ihrer persönlichen Zu- oder Abneigung den einzelnen Studierenden gegenüber ausrichten. So mancher Studierende wird da links liegengelassen.

Ich habe es bei vielen Kommilitonen erlebt, die am Anfang für ihre Musik gebrannt haben, wie sie immer bedrückter und stiller wurden. Es spricht ja keiner offen darüber, aber es sind auch viele in Drogen und Alkohol abgerutscht.“ (eine Sängerin)

Wie kann es sein, daß die Dozenten ohne wirkliche zahlenmäßige Kontrolle in der Aufnahmeprüfung Studierende aufnehmen dürfen, ohne daß geprüft wird, ob denn deren Unterricht in den begleitenden Fächern überhaupt gewährleistet sein kann?“ (eine Sängerin)

Viele Studierende wissen auf Nachfrage schon recht genau ihren Bedarf an Zusatzwissen. Aber so mancher macht sich auch gar keine Gedanken, was „danach“ kommt: „Ich möchte eben einfach Klavierspielen“, sagt eine Studentin, die Anfang zwanzig ist. Nachfragen, wie sie sich das genau vorstellen würde, treffen auf völliges Unverständnis.

Die instrumentalistische Fähigkeit oder die künstlerische Persönlichkeit ist oftmals nicht das Problem: ich sehe die Diskrepanz zwischen Ausbildung und Berufspraxis in der freiberuflichen Tätigkeit. Ich kenne viele Pianisten, die mir voller Stolz erzählen, dass sie nicht gerne unterrichten. Bonne chance. Man muß schon ein bißchen über den Horizont schauen!“ (ein Klarinettist)

Lohengrin geht zum Arbeitsamt

Und wo bleibt die staatliche Unterstützung, die doch auch die anderen Berufseinsteiger unterstützen soll? Die Bundesagentur für Arbeit hat eine Außenstelle für Sänger und Musiker, um sie an Theater und Orchester zu vermitteln, die ZAV [Zentrale Auslands- und Fachvermittlung – ZAV Künstlervermittlung]. Zu der Situation der Sänger nach dem Studium gab es auf SWR 2 unter dem Titel „Lohengrin auf dem Weg zum Arbeitsamt – Sängerkarrieren heute“ eine aufsehenerregende Sendung.

Einer der Arbeitsvermittler bringt es im Gespräch auf den Punkt: „Ich habe jetzt einen Sänger vermittelt, der einen Stückvertrag macht am Theater in Ulm, der ist Hartz-IV-Empfänger zur Zeit.  [....] Er wird sich dann aber, wenn das [Engagement in Ulm] abgeschlossen ist, wieder beim Job-Center melden und dann wieder sein Geld von dort bekommen.“

Ein Klarinettist stellt kurz vor seinem Masterkonzert fest:

Ehrlicherweise wußte ich bisher nicht, was
die ZAV ist. Nachdem ich mich im Internet schlau gemacht habe, muß ich leider feststellen, daß das Angebot eher unattraktiv ist [, weil es nicht auf die Freiberuflichkeit vorbereitet].

>> Exkurs: Zukunftsperspektiven

 „Ich unterrichte, um meine Miete und die Krankenversicherung bezahlen zu können. Spaß macht das nicht unbedingt, aber es ist meine Absicherung und in der verbleibenden Zeit spezialisiere ich mich auf das, weshalb ich eigentlich studiert habe, die Beschäftigung mit der Neuen Musik. Aber leben kann ich davon auch langfristig gesehen nicht.“ (eine Pianistin)

Ich hatte gar keinen Kontakt zu Sängern und bin dann zufällig in die Liedbegleitung hineingerutscht. Dabei habe ich gemerkt, das ist mein wirkliches Spezialgebiet. Seitdem ist für mich klar, welchen Beruf ich ausüben werde – aber da habe ich einfach Glück gehabt.“ (ein Pianist)

Ein qualifizierter Abschluß an einer Musikhochschule ist Voraussetzung, um von Martin Geißler in die Vermittlungskartei aufgenommen zu werden. Er arbeitet in direkter Konkurrenz zu privaten Sängeragenturen, darf aber im Gegensatz zu ihnen kein Geld für seine Leistungen verlangen. Ob er als Vermittler tätig wird, entscheidet Martin Geißler nach einem Vorsingen.“ (Erzählerin, Lohengrin geht zum Arbeitsamt)

Wenn Du bei der ZAV vorsingst, bringt Dir das auch nichts. In der Regel hört man nie mehr was von denen. Ist ja auch kein Wunder, denn der Überschuß an fertigen Studierenden ist ja nun einmal da. Die können ja auch nur auf Stellen vermitteln, die auch frei sind. Wenn keine Stellen da sind, kann auch nicht vermittelt werden.“ (ein Sänger)

Auf eine solche Situation werden viele Studierenden jedoch nicht im Rahmen der Ausbildung vorbereitet:

Ich hätte mein Diplom ganz blauäugig und ohne Zukunftsperspektiven gemacht, wenn ich nicht irgendwann aufgewacht und eigeninitiativ geworden wäre. Dann hätte ich auf der Straße mit Diplom gestanden und mich gewundert, daß ich nicht weiß, wie es weitergehen soll und warum mich keiner fragt, ob ich bei ihm auftreten will.“ (ein Geiger)

Dem Fachvermittler der Bundesagentur für Arbeit, Martin Geißler, bereitet die neue Ensemble-Politik der Theater Sorgen. Immer öfter muß er seine Sängerklientel nach einem befristeten Engagement eine Etage tiefer zur Arbeitslosengeldkasse schicken. Nach einem Jahr Pendeln zwischen Bühne und Arbeitsamt winkt dann unweigerlich der Antrag auf Hartz IV.“ (Erzählerin, Lohengrin)

Ich habe jetzt einen Sänger vermittelt, der einen Stückvertrag macht am Theater in Ulm, der ist Hartz-IV-Empfänger zur Zeit. Und der kann sich über die Stadt Ulm aber abmelden für den Zeitraum in dem er dort engagiert ist. Das ist natürlich für ihn gut, dann ist er wieder in einem normalen Arbeitsverhältnis. Er wird sich dann aber, wenn das abgeschlossen ist, wieder beim Job-Center melden und dann wieder sein Geld von dort bekommen.

Dadurch, daß Erfahrungen aus der Hochschule nicht ausreichten, habe ich mir selber meine Überlegungen und Möglichkeiten gesucht. Meine Orchesterauftritte und Soloauftritte sind alle aus der Zeit der Orchesterakademie und aus Eigeninitiative entstanden. Diese Verbindungen nützen mir jetzt auch noch.“ (eine Geigerin)

 

Manche Hochschulen haben die Brisanz erkannt und haben „Career Center“ gebildet, beispielsweise in Frankfurt, Hamburg oder Hannover. Des weiteren haben sich Beratungsangebote im Rahmen von Ausbildung, Workshops und Meisterkursen gebildet – zumeist mit Schwerpunkten der verschiedensten individuell geprägten Ausrichtungen (Spezialisierungen auf einzelne Fächer und deren Belange (Gesang, Streicher), Vorsing- / Vorspielpraxis, Bühnenauftritt, Bekleidungsberatung oder Seminare für Selbst- und Zeitmanagement).

Und wie sieht es mit den weiteren Unterstützungen während des Studiums aus? Viele Stiftungen sind in den Statuten daran gebunden, nur Studierende, aber keine Absolventen mehr zu unterstützen. Wer da keine weiterreichenden Kontakte oder auch die falschen geknüpft hat, hat Pech gehabt.

An der Kölner Musikhochschule, Außenstelle Wuppertal hat man schon seit längerem erkannt, wie notwendig es ist, sich intensiv um die Belange jedes einzelnen Studierenden zu kümmern und hat individuelle Betreuungs- und Ausbildungsprogramme für Auftrittscoaching und den Umgang mit Lampenfieber. Das „neue Rektorat“ der Kölner Hochschule [das übrigens schon vier Jahre alt ist, aber nach wie vor unter den Studierenden so heißt, weil sie neue Zeiten anbrechen sehen] hat bereits an vielen Stellen in kurzer Zeit viel Staub aufgewirbelt und es bleibt zu wünschen, daß man in Bezug auf die Zukunftsberatung der Studierenden nicht im Sumpf zwischen Verwaltung und Dozenten bzw. dem der persönlichen Eitelkeiten steckenbleibt – ein Phänomen, das beileibe kein Kölner Sonderfall ist.

Zudem muß noch einmal betont werden, daß es Professoren gibt, die im persönlichen Engagement für ihre Studierenden ihr Bestes im Rahmen ihrer Möglichkeiten geben, um aus ihrer eigenen Erfahrung heraus die Studierenden zu beraten und vorzubereiten. Jedoch ist es bei der Fülle der internen und vor allem auch externen Aufgaben nicht möglich, die ein Dozent ja auch außerhalb der Hochschule wahrnimmt nicht möglich, eine intensive und professionelle Beratung zu bieten.
Außerdem ist diese Beratung ja auch gar nicht das Fachgebiet eines Dozenten beispielsweise für Klavier oder Gesang!

Was nichts kostet, ist nichts wert

Natürlich ist die Frage unangenehm, aber sie muß gestellt werden: Was macht man, wenn man kein Glück und keine Beziehungen hat, aber trotzdem als Musiker sein Leben gestalten will? Wie kann man aktiv seine Lebensplanung in die Hand nehmen?

Der Blick über den Tellerrand ist hilfreich. In anderen Branchen ist es absolut üblich, sich über die staatlichen Unterstützungen hinaus Beratung in der Existenzgründung zu besorgen, die der Studienabgänger als Investition in seine berufliche Zukunft betrachtet. Das Argument der Musiker, dafür hätten sie kein Geld ist insofern nicht nachvollziehbar, da andere Berufsanfänger auch Wege finden, diese Beratungen zu bezahlen. Es entsteht auch oft der Eindruck, diese Aussage basiere auf der Uneinsichtigkeit, für etwas bezahlen zu müssen, wo man doch sonst als Musiker alles umsonst mitnehmen kann: Konzertkarten, eine Visitenkarte im Internet oder Unterricht oder eben auch eine Beratung. Natürlich ist es so, daß die Familie und der Lebenspartner umsonst aus Sympathie oder Liebe für den Studierenden kostenlos arbeiten. So entstehen je nach dem, was das Umfeld fachlich bietet, mehr oder weniger professionelle Konzepte und Lösungen.

Usual Business

Ein Blick in Richtung Westen zeigt noch mehr Entwicklungspotential auf:

In Amerika wird ja nun alles zum Geschäftsmodell, da ist Business etwas sehr Positives. Da kommt einer und sagt „Hi, I’m Jack I make a million the year.“ – Etwas, das bei uns unmöglich wäre, daß jemand kommt und sagt, ich verdiene so und so viel,“ sagt Elke Koska im WDR 5 (Oase vom 13.8.2011, Elke Koska, Von der Lust am Anderssein).

>> Exkurs: Gesellschaftliche und historische Hintergründe

In Deutschland wäre es ein Fauxpas, sich über seine finanziellen Potenzen in eine Gesellschaft einzuführen. Hier herrschen Regeln, die auf ganz andere historische Hintergründe zurückgehen: Kultur war Sache der Kirche, der Fürstentümer, der Mäzene – dann hat sich zunehmend das Bürgertum für die Kultur engagiert. So sind Musikmetropolen wie Schloß Esterhazy, das Festspielhaus in Bayreuth, Musikmetropolen wie Leipzig, Prag oder Wien entstanden. Im 20. Jahrhundert hat sich der Staat der Sache mehr oder weniger erfolgreich angenommen. Eine engagierte, aktive und starke Teilnahme der Wirtschaft an der Förderung von Kunst und Kultur findet jedoch nicht in ausreichendem Umfang statt.

Es wäre ein innerer Wandel wünschenswert: Eine Modernisierung unseres aus dem 19. Jahrhundert überkommenen Anschauungsbildes der Kultur und ihrer Aufgaben. Kultur ist nicht etwas, das wir uns heute leisten möchten, sondern etwas, das wir uns leisten müssen. Die Wirtschaft muß erkennen, daß sie ihren Gewinn auch durch die kulturelle Identität mit den überkommenen Werten und der Kultur findet. Man sollte gerade in der Kultur den Blick für die Kommerzialisierung öffnen und sich im Umgang mit der Finanzierung der Kultur einfach mehr entspannen.

In den USA ist das in der Tat anders und das hat sicherlich auch mit den gesellschaftlichen Hintergründen zu tun. Große Kulturinstitutionen wie die New Yorker Musikhochschule, die privat von der Industriellen-Gattin Taylor gegründet wurde oder die Geschichte der Carnegie Hall oder der Sammlung Guggenheim gehen auf persönliches, privates Engagement und Risiko zurück. Hier investiert Wirtschaft in Kultur als gewinnbringende, langfristige Branche. Ein Studierender sagt vor diesem Hintergrund im Unterschied zur Situation an den deutschen Hochschulen:

In den USA verstehen sich sowohl die Musikhochschulen als auch die Klarinettenprofessoren selbst gemeinhin als Dienstleister. Und für eine Dienstleistung zahlt man üblicherweise – das ist auch jedem Studenten klar. Deswegen sind die Schulen sehr darum bemüht, ihre Studierenden rundum zufrieden zu stellen. Eine aktuelle Anzeige der California State University in einer Fachzeitschrift für Klarinette titelt unverblümt: „Reach your full clarinet potential - study with Julia Heinen." (ein Klarinettist)

Es gibt viele individuelle Angebote und Hilfestellungen für Studenten – auch was die eigene Karriereplanung betrifft. Ein großer Vorteil ist außerdem, dass man auf Grund der relativ hohen Studiengebühren auch einen anderen Anspruch an Service, Unterstützung und Beratung an die Hochschule stellen darf.“ (ein Klarinettist)“

 

Kultur ist nicht etwas, das wir uns heute leisten möchten, sondern etwas, das wir uns leisten müssen. Die Wirtschaft muß erkennen, welch großen Anteil an ihrem Gewinn die kulturelle Identität mit den überkommenen kulturellen Werten hat und daß dies ein starker Wirtschaftsmotor ist.

>> Exkurs: Zu revidieren: Das Ansehen wirtschaftlichen Engagements

Was macht es für einen Unterschied, ob eine Spielstätte privat oder öffentlich finanziert wird? Kopenhagen und Carnegie Hall oder Berliner Philharmonie? Welche Kontrollfunktion ist besser: Die des privatwirtschaftlichen Engagements oder die des Staats, die sich zunehmend immer mehr in Verwaltungsdetails verliebt hat und die Kultur bald gänzlich aus den Augen verloren haben wird? Kann man diese Frage heute noch eindeutig beantworten? Ist nicht ein privater Geldgeber aus ganz persönlichen Motiven – es ist nämlich sein ureigenstes Geld – daran interessiert, seine Investition zum Erfolg zu führen? Und inwiefern werden nicht auch (staatliche) Geldgeber, Stiftungen und andere Unterstützer durch persönliche Neigungen und Pfründe in ihren Entscheidungen beeinflußt?

Wir sollten uns etwas mehr entspannen. Man vermutet gleich das Schlimmste, wenn ein privater Geldgeber in Eigeninitiative kulturell Aufsehenerregendes leistet, was die Aufgaben der staatlichen Kulturhoheit betrifft. Es geht ein Aufschrei durch die Reihen, der Staat gebe seine Kulturhoheit ab – eine Hoheit, die ja nun auch nicht gerade frei ist von Klüngelei und Verbändelungen. Aber welcher Musiker bekommt schon Unterstützung durch öffentliche Gelder für seine tollen Konzepte, wenn er nicht bereits beim Geldgeber eingeführt ist oder jemanden hat, der ihn einführt?

 

Die kostenlose gemeinnützige Arbeit

Ein anderer Aspekt kommt hinzu: Die Studierenden bringen ein von der Gemeinnützigkeit und der kostenlosen, aber hochgelobten Kulturarbeit bestimmtes Bild mit, das im Verlauf des Studiums keine nennenswerten neuen Impulse erfährt. Da ist es kein Wunder, daß der Studierende der Meinung ist, alle Angebote, die ihn in seiner Karriere weiterbringen, müßten ebenfalls kostenlos sein.

Dabei bewegen sich Existenzgründungs-Beratungen in der Kunstbranche finanziell eher am unteren Rand der branchenüblichen Sätze. Die Angebote bieten viel Wissen, Engagement und Know-how, um die Studierenden fachkundig zu unterstützen. Vielen Studierenden ist oft damit gedient, ein oder zwei vertiefende Gespräche zum Zwecke einer persönlichen Bilanz zu führen und dies sporadisch fortzusetzen.

Anstatt aber auf professionelle Anbieter für die Ausbildung der Künstlerpersönlichkeit, für das Selbstmanagement, die Existenzgründung oder Auftrittskompetenz einzugehen und sich fachkundig gegen Geld beraten zu lassen, gehen viele Studierende in bewundernswerter Naivität – basierend auf den bisherigen „Erfahrungen“ – davon aus, daß auch eine Agentur oder eine professionelle Zukunftsberatung selbstverständlich kostenlos zur Verfügung steht. Oder man bastelt lieber selbst, denn wenn eine Gebühr fällig wird, schreckt der Studierende zurück – Professionalität wird hier zum Glücksspiel und es fehlt leider jegliches Verständnis für Werte, Qualität und Zeitmanagement.

Dabei bewegen sich Existenzgründungs-Beratungen in der Kunstbranche finanziell eher am unteren Rand der branchenüblichen Sätze. Die Angebote bieten viel Wissen, Engagement und Know-how, um die Studierenden fachkundig zu unterstützen. Und so groß muß der Aufwand auch nicht sein: Vielen Studierenden wäre schon damit gedient, ein oder zwei vertiefende Gespräche zum Zwecke einer persönlichen momentanen Bilanz zu führen und dies sporadisch fortzusetzen. Hier können Sie ein unverbindliches persönliches Angebot anfordern.

Keine nachhaltige Ausbildung ohne Überlebensanweisung!

Es ist auch zu überlegen, ob wir es uns heute noch leisten können, den offenen Umgang mit privaten Sponsorengeldern mit Naserümpfen abzutun. Die Diskussion ist nun schon Jahrzehnte alt und geändert hat sich nicht viel. Statt dessen sollte die Frage erlaubt sein, warum es in den USA oder Japan nicht anrüchig ist, wenn Wirtschaft sich in Kultur engagiert und dafür auch namentlich genannt werden möchte? Eine staatliche oder europäische Unterstützung über öffentliche Gelder unterliegt doch auch einem Reglement, wie die Unterstützung erwähnt werden muß.

Eine Unterstützung der Studierenden zur Lebensweg-Findung sollte dazu beitragen, daß Lohengrin seinen Lebensweg erfolgreich einschlagen darf und er sich in der knallharten Realität, die auf ihn wartet, zurechtfinden kann, auch wenn er keine Anlagen dazu hat, sich durch Ellbogenmentalität und persönliche Vorteilsnahme seinen Weg zu bahnen.

Kultur ist ein starker Wirtschaftsfaktor und Wirtschaftspartner, dessen Wert auch die Wirtschaft sich erst wieder bewußt werden muß. Aber aus der aktuellen Situation heraus gesehen verwundert es nicht, wenn die Studierenden meinen, eine Zukunftsberatung sei kostenlos und auch nicht, daß die Wirtschaft kein gesteigertes Interesse hat, sich nachhaltig in der Kultur zu engagieren.

Leider weiß ich nicht, ob und in welchem Maße ich erfolgreich sein werde. Ich will volles Risiko, mein Bestes geben und bin optimistisch, daß sich diese Mühe lohnt.“ (ein Klarinettist)

Ich persönlich bin trotz aller Mißstände, die ich gesehen habe, in den fünf Jahren an der Hochschule gewachsen. Ich habe meine Persönlichkeit ausgebildet und bin dankbar für die Einblicke in die Kunst und die Arbeit mit großen Künstlern, wovon ich sehr profitiert habe.“ (eine Sängerin)

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Daria Tchaikowskaja

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